Ursprüngliches Italien

»Das schöne Land der sanften Hügel« - dieses frühe Lob der bukolischen Hügellandschaft der Marken aus der Feder des mittelalterlichen Gelehrten Cecco d' Ascoli, dem sich später berühmte Künstler wie Leonardo da Vinci anschlossen, ist heute unbekannt, fast wie die Marken selbst. Diese liebenswerte Region, deren Charme abseits der Küste in reizvollen Hügelörtchen und Kleinstädten noch entdeckt werden will, liegt im Schatten ihrer mittelitalienischen Nachbarn, mit deren Superlativen sie nicht zu konkurrieren vermag. Die Kunststätten der Toskana und Umbriens waren schon immer beutender, die Bergwelt der Abruzzen höher als die der Marken.

Auch die frühen Italienreisenden haben auf dem Weg nach Rom und Sizilien nur selten die Strecke über die Marken gewählt. Selbst Goethe stattete ihnen keinen Besuch ab. Unter der Hand voll berühmter Touristen, die vom Königsweg über die Toskana und Umbrien in die Marken abzweigten, gehören Michel de Montaigne, Johann Gottfried Herder und im 19. Jh. der französische Romancier Stendhal. Doch auch sie berührten kaum das Landesinnere. Ihre Ziele waren Ancona und die Wallfahrtskirche in Loreto, die sie auf ihren Reisen entlang der Küste erreichten. Die Seebäder der Adria sollten ein Jahrhundert später zum beliebten Ferienziel werden. Österreicher und Engländer entdeckten zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Flair der mittleren Adriaküste. Ihnen folgten in den 50er Jahren die Deutschen. Für sie wurde die Adria zum Inbegriff von bella Italia und einer heiteren, unbeschwerten Lebensweise. So sind die Marken in Deutschland eine weitgehend unbekannte Region geblieben, obwohl 2001 der deutsche Bundeskanzler (Gerhard Schröder) und seine Familie mit gutem Beispiel vorangingen und die Marken als Urlaubsziel wählten.

Und auch unter Italienern sind sie als Reiseziel noch ein Geheimtipp. Schon ihr Name ist untypisch: Er leitet sich aus dem lateinischen und althochdeutschen Marca (Mark) ab und bezeichnete seit dem 8. Jahrhundert ein Gebiet an der damaligen Reichsgrenze. Seitdem 19, Jh. sind unter dieser Bezeichnung die Marken Ancona, Fermo und Ascoli als Region zusammengefasst. Gleichzeitig ist der Plural Le Marche Ausdruck für die Vielseitigkeit der Region. Nur gut 50 km trennen das Blau der Adria im Osten vom Grün und Grau der grandiosen Bergwelt der Monti Sibillini im Westen der Region. Dazwischen bieten liebenswerte Kleinstädte mit herrlichen Plätzen mittelitalienische Lebenslust, Geschichte und Kunstgenuss. L' Italia in una regione al plurale - ,die ganze Vielfalt Italiens in einer Region: Die Marken bieten ihren Besuchern all das, was das Flair Italiens ausmacht. Und wer sich auf die Marken einlässt, wird bald von ihren zurückhaltenden Reizen und der Freundlichkeit ihrer Bewohner, der marchigiani, gefangen genommen, die den Touristen nicht als Wirtschaftsgut betrachten, sondern als willkommenen Gast.