Landschaften und Naturraum

Die Landschaft der Marken ist dreigeteilt. Ein verhältnismäßig schmaler und flacher Küstenstreifen, nur unterbrochen von dem Vorgebirge des Monte San Bartolo im Norden und dem Monte Conero bei Ancona, nimmt gut ein Zehntel der Region ein. Dahinter erheben sich die malerischen Hügel, die den größten Teil der Region bedecken. Als hätte der liebe Gott mit dem Schäufelchen nach Lust und Laune Erde verteilt - so scheinen sie über den breiten Streifen zwischen Adria und Apennin geworfen zu sein, dessen Bergketten sich 50 km hinter der Küste erheben.

Die Küste Die 180 km lange Adriaküste mit insgesamt 26 Badeorten lässt sich in vier Abschnitte gliedern. An der Riviera delle Gol/ine zwischen Gabicce und Fano teilen sich größtenteils flache Sandstrände, einige kiesige Abschnitte und felsige Buchten unterhalb des Monte San Bartolo den Uferstreifen. Die Küste von Senigallia wird mit ihrem ,Samtstrand, meistens schon zur Riviera dei Gonero gerechnet, die eigentlich erst weiter südlich bei Ancona beginnt und mit kleinen Kiesstränden und lauschigen Badebuchten unterhalb der Felsen des Naturschutzparks bezaubert. Die Badeorte zwischen Porto Recanati und Porto San Giorgio gehören zur Verde Riviera Picena, dem grünen, von Pinien gesäumten Abschnitt der Adriaküste. die ihren Höhepunkt im palmenbestandenen San Benedetto dei Tronto findet, wo die Adriaküste als Riviera delle Palme tituliert wird. Zwei Regionalparks liegen im Küstenstreifen: das 1987 begründete Naturschutzgebiet des Monte Conero. das von mediterraner Macchia und Mischwäldern bewachsen ist, sowie der erst 1996 als Naturpark ausgewiesene Monte San Bartolo, der eines der bedeutendsten Feuchtgebiete des Landes einschließt.

Hügel und Flusstäler
Das teils bukolische. teils zersiedelte Hügelland nimmt mit beinahe 70 Prozent der Gesamtfiäche der Marken den breiten Raum zwischen Küste und Apennin ein. Olivenhaine. Weinanbauflächen. Obstkulturen, Getreidefluren und Wälder wechseln sich ab. Dazwischen erstrecken sich verstreute Siedlungen. Städtchen besetzten die Hügelkuppen. Flusstäler durchziehen die Hügelketten in Ost-West-Richtung und erlauben den Reisenden eine schnelle Fortbewegung, aber auch den Lkw. die für die in Küstennähe verstärkt angesiedelte Kleinindustrie und den Handel unterwegs sind. Flüsse sind es auch. die die Grenzen der einzelnen Provinzen und Regionen bilden: im Norden der Foglia. im Süden der T ronto. In den Tälern liegen bei Fiastra und Camerino zwei kleine Naturschutzreservate mit Eichen und Blumeneschen. Die beeindruckenden Kalksteinschluchten. die Gola della Rossa und Gola di Frasassi, wurden 1997 zum Regionalpark erklärt. Die Soen der Marken sind mit Ausnahme des winzigen, nur zu Fuß erreichbaren Lago di Pilato Stauseen.

Mystische Bergwelt
"Himmelblaue Berge" nannte der Dichter Giacomo Leopardi liebevoll die Bergkette der Sibillinen, die zum Apennin gehört. Sie besteht aus über 20 Gipfeln, deren höchster mit stolzen 2476m der Monte Vettore ist. Zahllose Legenden ranken sich um den namengebenden Monte Sibilla (2175 m), in dessen steinerner corona einst eine sagenhafte Prophetin gehaust haben soll. Der in der Eiszeit entstandene Lago di Pilato, in dem - der frommen Legende nach - der Körper des toten Pontius Pilatus versenkt wurde, ist heute ein beliebtes Wanderziel. Die Gebirgskette wird von fünf Flusstälern eingeschnitten, an denen sich wildromantische Schluchten gebildet haben. Bis in eine Höhe von 1000m beherrschen Eichen-, Buchen- und Eschenwälder das Landschaftsbild. Darüber breitet sich. unterhalb der felsigen Gipfel. eine idyllische Weidelandschaft mit Eugenia-Veilchen und Apennin-Edelweißen aus. Der 70 000 ha umfassende Nationalpark wurde 1993 eingerichtet und erstreckt sich über die regionalen Grenzen nach Umbrien hinein. 16 märkische Gemeinden mit ca. 16000 Einwohnern haben hier ihr Auskommen durch Schafzucht, Landwirtschaft und Tourismus, doch noch immer ist die Abwanderungswelle zur Küste hin nicht verebbt, die Einwohnerzahl hat sich in den letzten 30 Jahren halbiert.

Möwen und Adler, Wildkatzen und Wölfe
Die Tierwelt ist ebenso vielfältig wie die Landschaft der Region. In Küstennähe kreisen Möwen und Kormorane, Wander- und Turmfalken nisten am Monte Conero. In den Naturschutzgebieten und den Flusstälern sind Wildkatzen und Füchse, Dachse und Stachelschweine zu Haus. Die Grotten von Frassassi bieten dem italienischen Erdmolch einen idealen Lebensraum, ihre unterirdischen Seen werden von winzigen Krustentierchen besiedelt. Im Lago die Pilato lebt in 1940m Höhe - nach Angabe der ortsansässigen Naturschützer - noch immer das mikroskopisch kleine, wirbellose Urtierchen "Chirocephalus Marchesnii".
In den Sibillinischen Bergen sind wieder Wölfe heimisch, die aus dem Nationalpark der benachbarten RegionAbruzzen eingewandert sind, und Rehe, die man hier in den 1950er Jahren wieder angesiedelt hat. Steinadler und Wanderfalken lassen sich ebenso beobachten wie Uhus und Mauerläufer. Das Tier, das man bei Wanderungen am häufigsten antreffen wird, ist allerdings -neben der Eidechse - das gewöhnliche Schaf, denn die grünen Berghänge dienen zahlreichen Herden, die hier oft nur in Begleitung ihrer Hütehunde unterwegs sind, als Weidefläche.